Internationale Klasse – Ende des Wintersemesters 2020/21

Internationale Klasse – Ende des Wintersemesters 2020/21

„So geht es uns – Hoffentlich können wir bald wieder zusammenkommen – Englisch lernen via Lernvideos“

Wir danken drei engagierten Lehrerinnen der Internationalen Klasse sehr für ihre aktuellen Berichte, die uns ein unmittelbares und ausgezeichnetes Bild vermitteln, wie es in Pandemie-Zeiten der Internationalen Klasse ergeht!

Die Semesterferien stehen vor der Tür, aber Ferienstimmung kommt nicht auf. Die Schüler und Schülerinnen der Internationalen Klasse haben die Schule schon sehr lange nicht mehr von innen gesehen und würden lieber heute als morgen wieder zum Unterricht kommen. Meine Kollegin Hannah und ich haben zumindest schon den neu ausgemalten Klassenraum genießen können. Ist genießen das richtige Wort, wenn man einen Vormittag lang ausmistet, Regale und Boden wischt, Bücher und Hefte sortiert und schmutziges Geschirr abwäscht? Ich glaube schon. Es war nett, mal wieder von Angesicht zu Angesicht zu tratschen. So etwas ist ja im Lockdown nicht selbstverständlich und das bisschen Putzen nebenher stört dann auch nicht weiter. Während wir in der Schule den Klassenraum herrichten, ächzen die Schüler zu Hause unter den e-learning Aufgaben, die sie täglich von uns bekommen – Deutsch, Mathe, Englisch.

Aber vielleicht warten sie auch jeden Morgen freudig und gespannt darauf, was es dieses Mal zu lernen gibt? Wahrscheinlich ein bisschen von beidem. Wie in anderen Klassen gibt es auch hier die ganze Palette, von den sehr Fleißigen, die alles akribisch genau erledigen bis zu denen, die sich gern verstecken und auf Nachfrage, wo denn die Aufgabe bleibt, zurückmelden: „Keine Sorge, Frau Lehrerin, mach ich alles.“ Und dann ist erst mal lange Funkstille. Dabei ist das Angebot im Bereich digitales Lernen inzwischen sehr abwechslungsreich. Zum Englischlernen bietet sich das British Council an (das Pendant zum deutschen Goethe-Institut) mit einer eigenen „Covid 19 learning support“ Seite. Es gibt Texte, Hörübungen, Grammatikübungen, kleine Videos. Jede Übung wird von mir vorher auf ihre Handy-Tauglichkeit hin ausprobiert. Erstaunlich auch, was im Bereich Mathematik alles möglich ist.

Aber ohne die persönliche Begegnung mit den Lehrerinnen und deren Ermutigung und Unterstützung  ist für viele Schüler die Hürde einfach zu groß und so ersehnen alle das Ende des Lockdowns herbei und hoffen, sich bald wieder in dem nun in einem freundlichen Gelb leuchtenden Klassenzimmer wiederzusehen.

Birgit Schmerfeld

 

Durch den nach wie vor andauernden Lockdown befindet sich die internationale Klasse in einer besonders schwierigen Situation: die Schüler*innen haben nicht die technischen Möglichkeiten, um in den Genuss von wirklichem Distance Learning zu kommen und haben auch nicht die Unterstützung, die sie bräuchten, um ihren Tagesablauf zu strukturieren. Einige der Schüler*innen leiden unter posttraumatischen Belastungsstörungen und müssen Medikamente einnehmen, die zu großer Müdigkeit führen, viele haben mit Kopfschmerzen zu kämpfen. Sich unter solchen Umständen alleine zu motivieren, gelingt den Wenigsten.

Trotz aller Widrigkeiten bemühen wir uns, Material zur Verfügung zu stellen, das gut eigenständig zu bearbeiten ist und den Wahrnehmungshorizont unserer Lernenden in diesen, so einschränkenden Zeiten, etwas erweitert. Immer wieder treffen wir einander auch über Zoom, auch hier leider mit überschaubarer Teilnehmerzahl.

Zwischenzeitlich sind wir dafür mit Anfragen unterschiedlichster Art beschäftigt, Sprachprüfungen wollen abgelegt werden, manchmal braucht es Hilfe bei Alltäglichem wie Bankgeschäfte, es hagelt negative Asylbescheide, es herrscht oft Hilflosigkeit und Verzweiflung. Um unsere Gedanken auf Positives zu lenken, freuen wir uns auf den Tag, an dem wir den Schüler*innen wieder von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen können. In unserer Vorfreude sind wir tätig geworden und haben unserem Klassenraum ein neues, frischfröhliches Kleid verpasst. Hoffentlich dürfen wir bald wieder dort zusammenkommen!

Hannah Jordis

Es ist Dienstagmorgen 9.00. Noch darf sich eine Kleingruppe in der Schule treffen. Per WhatsApp haben wir unsere Schüler informiert, dass der Englischanfängerkurs heute per Video zu ihnen nach Hause kommt. Ein fröhliches Unterfangen, wie sich gleich herausstellen wird. Basil, Quais und Masrullah kommen pünktlich zur Klasssentüre herein, mit Maske natürlich.

Bevor wir das Video starten, wärmen wir uns mit Sprachübungen auf. Das Werfen eines kleinen Wollballs sorgt dafür, dass das Sprechen unmittelbar mit einer Bewegung verknüpft wird – ein wesentliches Merkmal des Sprachunterrichts an der Waldorfschule. Kurz erkläre ich den Schülern, was wir am Video machen werden und welche „Rolle“ sie dabei spielen. Bei allen Übungen stehen wir und bleiben immer im Dialog, so wie in der „live“ Englischstunde auch. Ablauf und Inhalt der Lernvideos sind den gewohnten Stunden angepasst, damit die Schüler zuhause leichter einsteigen können. „Are you ready? “ (Seid ihr bereit?) – gleich wird der Videoknopf am Handy gedrückt: nach einer Begrüßung folgen kleine Alltagsdialoge, wir buchstabieren das Fingeralphabet und unsere Namen. Wir üben das sich einander Vorstellen und Beschreiben unsere Familien. Wir festigen die englischen Wörter für die Körperteile und wiederholen die Zahlen bis 30. Zum Abschluss verabschieden wir uns höflich voneinander.

Wir „drehen“ unsere Kurzvideos in einem durch. Die „live“ anwesenden Schüler bleiben dabei sehr aufmerksam und bemühen sich (sichtlich!), ein gutes Beispiel für ihre Klassenkameraden vor der Kamera zu sein. Es macht ihnen große Freude, das Video mitzugestalten. Da wir langsam, mit Pausen und mit Erklärungen sprechen, kann das Gezeigte zuhause sogleich mitgemacht und nachgesprochen werden. „Thank you very much for your assistance!“ sage ich und drücke am Handy auf „Weiterleiten“, „See you next week!”.

Christine Reiter

 

Wir freuen uns sehr, auch Positives über ehemalige Schüler der Internationalen Klasse berichten zu können! Eine unserer Patenfamilien schrieb uns vor kurzem:  Qais hat´s geschafft: Er hat heute von der Stmk. Landesregierung die Zuerkennung des Daueraufenthaltsrechts einschließlich neuer ID-Karte erhalten. Und unmittelbar vor Weihnachten ist dieser berührende Brief gekommen:

Wiederum ist also bei drei Schülern der Internationalen Klasse eines unser wesentlichsten Ziele erreicht worden: Sie haben sich in ihrer neuen Heimat integriert, können ausreichende Deutsch und können hier bleiben! Das wurde von den staalichen Behörden formal anerkannt, wobei der Besuch der Internationalen Klasse ein wesentliches Argument beim positiven Ausgang der Asylverfahrens war. Der Dank gilt laut abgebildetem Brief ausdrücklich allen unseren Spenderinnen und Spendern, die den wirtschaftlichen Bestand der Internationalen Klasse nun schon das 5. Jahr ermöglichen.

Diesen Spenderinnen und Spendern danken auch wir ganz besonders – inzwischen ist mit Ihrer Hilfe der Weiterbestand der Internationalen Klasse zumindest bis Ostern gesichert und wir bleiben optimistisch, dass wir auch die restliche Finanzierung bis zum Schuljahresende schaffen werden. In diesem Sinne ersuchen wir um weitere Spenden:

Spendenkonto des Vereins: Bank für Kärnten und Steiermark,
IBAN: AT17 1700 0001 8100 0341, BIC: BFKKAT2K

Seit kurzem ist es auch möglich, kostenfrei  und steuerbegünstigt online mit Bankomat- oder Kreditkarte zu spenden – bitte nutzen Sie dafür die  Einstiegsseite unserer Homepage bzw. gleich diesen direkten Link –  D A N K E !